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Schon lange wird im Zusammenhang mit dem Internet über die Demokratisierung der Information und der Kommunikation diskutiert. Jetzt wird das Web um einiges persönlicher. Und es wird immer mehr zum Ort der Interaktion. Weblogs, Wikis und andere Peer-to-Peer-Dienste ermöglichen theoretisch jedem Internet-Nutzer im Netz zu publizieren. Für die PR ergeben sich daraus neue Möglichkeiten der Kommunikation und neue Notwendigkeiten für das Issues Management.Entstehung des Personal Web PublishingGrundsätzlich ist wenig Neues daran, dass Internet-User ihre eigenen Websites unterhalten: Die Einführung graphischer Oberflächen im Netz führten Anfang der neunziger Jahre zu einem ersten Boom persönlicher Homepages (Lüthi 2004). Sie sind ein Beispiel für das so genannte Personal Web Publishing (PWP). Unter PWP wird die Möglichkeit des Einzelnen verstanden, kostengünstig im Internet Nachrichten, Berichte, Kommentare oder andere Texte und Bilder zu veröffentlichen. Die Themen können privater Natur, aber auch nach journalistischen Kriterien ausgewählt und aufbereitet sein. Gerade im wissenschaftlichen Umfeld, in dem das Internet seit jeher selbstverständlich genutzt wird, bieten die Rechenzentren traditionell Kapazität und Hilfestellung für das Bauen persönlicher Homepages, so zum Beispiel die Universität Nürnberg-Erlangen (http://www.rrze.uni-erlangen.de/) oder die Universität Bern (http://www.student.unibe.ch/webseite/index.php). Durch eigene Verzeichnisse sind diese persönlichen Seiten oft nicht nur über die jeweilige Organisationseinheit, sondern anhand des Namens der Mitarbeiter zu finden - wie etwa bei der University of Lethbridge in Kalifornien (http://people.uleth.ca/) oder der Ruhr-Universität Bochum (http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/). Richtlinien bzw. Verpflichtungserklärungen (Beispiel: Ruhr-Uni Bochum, http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/verpflichtung) stecken dabei den Rahmen ab, in dem sich die Internet-Autoren auf dem Server ihres Arbeitgebers bzw. ihrer Hochschule bewegen dürfen. Allerdings ist dieser Rahmen üblicherweise weit gesteckt: Untersagt sind lediglich Werbung und Inhalte, die gegen geltendes Recht verstoßen.
Oft findet sich auf solchen persönlichen Homepages eine Linkliste, die häufig chronologisch sortiert und kommentiert wird (Bausch et.al.2002, 8). Auch tagebuchartig gepflegte Seiten existieren schon seit der ersten Hälfte der 90er Jahre: So begann zum Beispiel Dave Winer, CEO der Softwarefirma UserLand, 1994 Nachrichten und Essays zur IT-Branche zu veröffentlichen (Fisher 2001). Zuvor hatten schon der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, und Netscape-Gründer Marc Andreessen mit tagebuchartigen Einträgen über technische Neuerungen aus ihrem Arbeitsfeld im Internet berichtet (Bauhoff 2004). Seiten dieser Art werden typischerweise als Vorläufer von Weblogs gesehen. Typische Kennzeichen von WeblogsPersönliche Webseiten waren anfangs technisch versierteren Nutzern, also IT-Experten, vorbehalten. Erste Tools, die das einfache Erstellen von Weblogs ermöglichen, entstanden Mitte 1999 (Fikisz 2004, 27). Dabei handelt es sich um einfache Content Management Systeme. Seitdem kann jeder Interessierte ohne technische Kenntnisse von jedem Ort mit Onlinezugang aus im Internet publizieren. Neben dieser Möglichkeit haben die Blogging-Tools bewirkt, dass sich bestimmte formale Kennzeichen bei Weblogs durchsetzen. Doch was sind nun Weblogs?
Vorweg eine kurze Klärung neuer Begriffe rund um Weblogs: Statt des Begriffs "Weblog" wird häufig synonym "Blog" verwendet; Betreiber von Weblogs werden als "Blogger" bezeichnet; die Community, die Weblogs betreibt und verfolgt heißt "Blogosphere".
Eine allgemein gültige Definition für Weblogs gibt es bislang nicht, aber es besteht Einigkeit darin, dass sie sich aus den tagebuchartig gepflegten persönlichen Seiten der Internet-Pioniere entwickelt haben. Albrecht sieht Weblogs "als Nachrichtenbörse. (...) Das Internet wird 'gefiltert' und die (subjektive) Selektion wird der Weblog Community online mitgeteilt" (Albrecht 2002). Doch neben dem Sammeln und Weiterverbreiten von Informationen ist ein wichtiges Element von Weblogs das durchaus kritische Kommentieren der Fundstellen und das Bereitstellen eigener, neuer Informationen. Der Stil der Einträge ist dabei meist persönlich, ähnlich der journalistischen Kolumne. Deshalb beschreibt Zerfaß Weblogs als "private oder thematische Nachrichtendienste, die als Website publiziert und ähnlich wie ein Tagebuch (...) in regelmäßigen Abständen ergänzt werden" (Zerfaß 2004). Dadurch können sich Informationen, aber im Zweifel auch Fehlinformationen und Gerüchte, in rasender Geschwindigkeit verbreiten. Veröffentlicht werden Weblogs inzwischen nicht mehr nur als eigenständige Website, sondern sie werden häufig auch in größere Sites integriert. Dabei ist es möglich, als einzelne Person oder als Gruppe Blogs zu unterhalten.
Neben der tagebuchartigen Präsentation der Einträge - das Neueste steht oben - ist formal ebenfalls von großer Bedeutung, auf andere Weblogs in einer eigenen Spalte (BlogRoll) zu verweisen. Dabei handelt es sich typischerweise um thematisch ähnlich ausgerichtete Angebote, oder solche, die dem Blogger besonders gut gefallen. Schließlich besteht häufig für jeden Leser die Möglichkeit, Einträge im Blog direkt zu kommentieren. Durch diese Art des partizipatorischen Publizierens, also das Aufgreifen von Informationen anderer Blogs und das Kommentieren durch die Leser innerhalb des Blogs, können intensive Diskussionen und erkennbare Communities entstehen.
Etwa 2001 begann - zunächst vor allem in den USA - "Blogging", also das Schreiben von Weblogs - zu boomen (ebd.). Im deutschen Sprachraum gibt es nach aktuellen Schätzungen etwa 35.000 bis 40.000 aktive Weblogs (Wichmann 2004). Ende 2003 waren es nach Schätzungen noch lediglich 5.000 (Sixtus 2003). Insgesamt listet die Suchmaschine Technorati (http://www.technorati.com) im August 2004 etwa 3,5 Millionen Weblogs weltweit auf. Da Technorati nicht alle Blogs erfasst, dürften insgesamt etwa vier bis fünf Millionen Blogs existieren. Etwa 15.000 neue Blogs sollen täglich neu entstehen (Technorati 2004). Seit dem Irakkrieg, in dem via Warblogs eine neue - subjektive, aber unabhängige - Art der Berichterstattung praktiziert wurde, wird Blogging auch von einer breiteren Öffentlichkeit intensiver wahrgenommen (z.B. Harrer 2003, Lüthi 2004, S.B. 2004, Patalong 2004).
Die Entstehung von Warblogs wie auch die von den IT-Experten begonnene Tradition, Neuerungen z.B. von Software zu thematisieren, machen klar, dass Weblogs weit mehr sind, als Tagebücher, die aus der Privatheit heraus ins weltweite Netz gehoben werden. Vielmehr ist das Themenspektrum von Weblogs ebenso weit wie das jeder anderen Art der Kommunikation - anders ausgedrückt: Es gibt kaum ein Thema, zu dem nicht gebloggt wird. Zu den Betreibern gehören Manager, Journalisten und vor allem Privatpersonen.
Andere Beispiele für Personal Web-Publishing sind Peer-to-Peer-Angebote. Hier gibt es kollaborative News-Angebote wie z. B. Shortnews (http://shortnews.stern.de/), bei denen jeder Interessierte zum Journalisten werden und Nachrichten veröffentlichen kann. Journalistische Qualitätskriterien werden hierfür jedoch erwartet. Auch Wikis setzen die Zusammenarbeit von Web-Usern voraus. Hier hat jedoch jeder User nicht nur die Möglichkeit, neue Texte anzulegen, sondern auch vorhandene zu überarbeiten. Besonders häufig angewandt werden solche Dienste zum Wissensmanagement, angefangen von Online-Enzyklopädien wie Wikipedia (www.wikipedia.org) bis hin zu Wikis zu speziellen Produkten. Gemeinsam ist diesen Peer-to-Peer-Diensten, dass jeder Interessierte zum Internet-Autor werden kann. Da Weblogs wesentlich stärker verbreitet sind, stehen diese in den folgenden Ausführungen im Mittelpunkt. Arten von WeblogsGrob lassen sich drei Arten von Weblogs unterscheiden:
Die Bedeutung von Weblogs für die PRDas Internet trägt mehr und mehr zur Meinungsbildung bei (Zerfaß 2004). Für einzelne Teilöffentlichkeiten ist das Web inzwischen sogar die wichtigste Informationsquelle. Dies gilt beispielsweise für Privatanleger: Etwa zwei Drittel der privaten Aktienbesitzer informieren sich laut einer Forsa-Studie zuerst auf der Firmenwebsite, wenn sie Informationen zur Geldanlage benötigen (N.N. 2004). Bereits 2002 waren Hochschulwebsites für Schulabgänger die erste und wichtigste Informationsquelle, wenn es um die Wahl ihres Studienortes ging (KU 2002).
Versteht man PR nach Bentele als "Management von Informations- und Kommunikationsprozessen zwischen Organisationen einerseits und ihren internen oder externen Umwelten (Teilöffentlichkeiten) andererseits" (Bentele 1997, 22), so ist erste Aufgabe strategischer Kommunikation die systematische Beobachtung der Umwelten einer Organisation. Hierzu gehören unter anderem die Analyse der sich ändernden Rahmenbedingungen wie auch das Erkennen der für die Organisation und damit für die Kommunikation relevanten Teilöffentlichkeiten. Im Sinne der Effizienz der Kommunikation erscheint es sinnvoll, Teilöffentlichkeiten zu klassifizieren und Abstufungen in deren strategischer Bedeutung für die jeweilige Organisation vorzunehmen. Grunig und Hunt unterscheiden dabei vier Arten von Teilöffentlichkeiten (Grunig/Hunt 1984, 145):
Relevant für die aktive PR sind nach Grunig/Hunt die bewussten und die aktiven Teilöffentlichkeiten. Im Rahmen des Issues Managements gilt es darüber hinaus, die latenten Teilöffentlichkeiten zu beobachten, um Issues zu erkennen und gegebenenfalls frühzeitig Kommunikationsmaßnahmen zu planen. Dies ermöglicht es, im Rahmen einer Kommunikationsstrategie auf neu entstehende und relevant werdende Teilöffentlichkeiten einzugehen bzw. im umgekehrten Fall - also wenn Teilöffentlichkeiten an Bedeutung verlieren - bestehende Kommunikationsbeziehungen weniger intensiv zu pflegen (Zerfaß 2004). Damit ist schon angedeutet, dass mit dem Begriff "Kommunikationsmanagement" neben dem Identifizieren von Themen und Teilöffentlichkeiten im Sinne des Issues Managements als zweitem wichtigen Baustein die aktive strategische Kommunikation eingeschlossen ist, um dauerhafte, vertrauensvolle Beziehungen zu den relevanten Teilöffentlichkeiten aufzubauen und zu pflegen.
Davon ausgehend fragt sich, inwiefern Personal Web Publishing bzw. Weblogs für das Issues Management bzw. für das Kommunikationsmanagement insgesamt von Bedeutung sein können. Drei Ebenen lassen sich dabei unterscheiden:
a) Im Sinne des Issues Management müssten Weblogs systematisch beobachtet werden, um festzustellen, welche öffentlich diskutierten Themen sich für die jeweilige Organisation zu relevanten Issues entwickeln können (Bentele/Rutsch 2001, 144-145).
b) In einem zweiten Schritt ist es dann möglich "durch aktive Kommunikation rechtzeitig Einfluss auf die öffentliche Kommunikation dieser Issues zu nehmen und damit den Handlungsspielraum der Organisation zu erhalten oder zu vergrößern" (ebd., 147).
c) Und schließlich sollten Möglichkeiten genutzt werden, selbst Themen zu setzen und Kommunikation hierzu mit den relevanten Teilöffentlichkeiten zu initiieren.
Es liegt nahe, dass Personal Web Publishing bzw. die hier näher betrachteten Weblogs auf allen drei der genannten Ebenen von Bedeutung sein können. Zu a): Issues MonitoringGeht man davon aus, dass Blogger für viele Themen eine Art Vorhut darstellen, also die ersten sind, die ein Thema kommunizieren, aufgreifen oder kommentieren, so kommen Kommunikationsmanager nicht umhin, Weblogs ähnlich wie Medienberichte oder Sozialstudien systematisch und kontinuierlich auszuwerten. Bekannte amerikanische Weblogs haben jeden Tag bis zu 30.000 Leser (Schnurr 2004). Im Vergleich dazu muss eine Tageszeitung eine deutlich höhere Auflage erzielen, um dieselbe Leserzahl für einen dezidierten Artikel zu erreichen. Da Weblog-Einträge wiederum in anderen Blogs zitiert werden, dürfte eine per Weblog gepostete Information innerhalb kürzester Zeit noch deutlich mehr Leser haben. Und deren Beteiligung an Diskussionen ist nicht nur technisch möglich, sondern diese Möglichkeit wird genutzt: Von März bis Dezember 2003 kommentierten z. B. mehr als 300.000 Menschen die Einträge im Weblog des damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean (ebd.). Im IT-Umfeld wird sogar bereits diskutiert, inwiefern professionelle Weblogs in Zukunft einzelne Fachzeitschriften ersetzen könnten (Eck 2004). Für die PR bedeutet dies, dass Personal Web Publishing wie schon das Internet insgesamt die Macht von Teilöffentlichkeiten verstärken kann (Pavlik/Dozier 1996), denn in Weblogs entsteht zunehmend öffentliche Meinung.
Im Gegensatz zur Beobachtung klassischer Webseiten lassen sich Weblogs dank der ihnen zu Grunde liegenden Technik deutlich komfortabler beobachten. Denn typischerweise können Weblogs durch Formate wie RSS oder Atom ähnlich wie Newsletter abonniert werden. Zum Lesen der Blogs bieten sich Newsreader an wie z.B. Feedreader (http://www.feedreader.com/) oder das Outlook-PlugIn Newsgator (http://www.newsgator.com/). Diese Aggregatoren besuchen automatisch die Internetseiten der abonnierten Seiten und teilen dem Anwender mit, sobald es in einem Weblog oder auf einer Newsseite neue Einträge gibt. Welche Weblogs überhaupt für eine Organisation relevant sein können, lässt sich über Suchmaschinen oder RSS-Verzeichnisse (z.B. http://www.rss-scout.de/ oder http://www.rss-verzeichnis.de/) ermitteln, wobei auch die BlogRolls sehr hilfreich sind, um von einem Weblog ausgehend ähnlich gelagerte Blogs zu finden. Da selbst die RSS-Verzeichnisse typischerweise ihre Einträge Newsreader-tauglich anbieten, kann man sich völlig automatisiert informieren lassen, welche neuen Weblogs entstehen. Voraussetzung für dieses Vorgehen ist natürlich, dass zunächst festgelegt wird, welche öffentlichen Themen beobachtet werden sollen. Noch allerdings ist davon auszugehen, dass in Deutschland durch die verhältnismäßig geringe Zahl aktiver Weblogs insgesamt bislang nicht jedes Unternehmen bzw. jede Branche gleichermaßen auf für sie relevante Blogs stoßen wird. Zu b) Issues beeinflussenViel öffentliches Aufsehen erregte die Demokratische Partei in den USA, als sie im Juli zur Krönung ihres Präsidentschaftskandidaten John Kerry auch Blogger in die Parteiversammlung integrierten. Damit wurden Blogger erstmals ähnlich wie Journalisten behandelt und aktiv in die Kommunikationsstrategie aufgenommen - mit einem Unterschied: Bei den "Convention Bloggern" soll es sich überwiegend um Delegierte gehandelt haben, will heißen, die Blogger wurden nicht als objektive Berichterstatter, sondern als PR-Multiplikatoren eingesetzt (Patalong 2004). Es scheint zumindest in den USA nur eine Frage der Zeit zu sein, dass auch unabhängige Blogger ähnlich wie Journalisten zu Veranstaltungen eingeladen werden. In die Pressearbeit einbezogen werden Blogger in den USA bereits vielfach durch Unternehmens-Pressestellen und PR-Agenturen. Allerdings lehnt ein Teil der Blogger es strikt ab, Presseinformationen zugesandt zu bekommen; für einen anderen Teil ist dies in Ordnung, solange die Meldungen zu den Themen des Blogs passen (Techdirt 2004, O'Brien 2004). Abzuraten ist dagegen davon, sich als PR-Praktiker in Weblogs an Diskussionen zu beteiligen. Dies verstößt gegen den Comment der Blogosphere und könnte für die PR kontraproduktiv sein. Lediglich wenn grob falsche Informationen zur eigenen Organisation gepostet werden, kann ein entsprechender Kommentar oder die Aufnahme einer direkten Kommunikation zum Blogger gerechtfertigt sein. Immer offen ist natürlich die Möglichkeit, mit anderen PR-Instrumenten auf die in Weblogs identifizierten relevanten Issues einzugehen. Zu c): Themen setzen und Kommunikationsbeziehungen pflegenHierbei handelt es sich um das tägliche Brot der PR. Zur Verfügung stehen hier all die bekannten PR-Instrumente und -strategien - von der Pressearbeit über Krisenkommunikation bis hin zur Kommunikation mit den verschiedensten Teilöffentlichkeiten (z.B. Mitarbeiter, Anwohner, Investoren, Kunden, Lieferanten). Eigene, also vom Unternehmen initiierte Weblogs können das PR-Instrumentarium sinnvoll ergänzen. Selbstverständlich hat der Einsatz solcher Corporate Weblogs für die PR Chancen und Risiken. Ohne diese ausführlich zu diskutieren, seien an dieser Stelle einige Aspekte genannt: Chancen für die PR:
Risiken für die PR
Beide Listen, jene der Vorteile und jene der Nachteile, könnten noch problemlos um zahlreiche Punkte ergänzt werden. Was im Einzelfall überwiegt, muss derzeit jede Organisation für sich entscheiden. Erfahrungswerte gibt es zum Corporate Blogging bisher nur wenige: In Deutschland dürften derzeit, also im Sommer 2004, kaum mehr als ein oder zwei Dutzend Unternehmen in ihre Kommunikationsstrategie integrierte Corporate Blogs betreiben. Zusammenfassung und AusblickPersonal Web Publishing und insbesondere Blogging ist eine Entwicklung im Internet, die - wie üblich mit Verspätung - von den USA nun in den deutschen Sprachraum gelangt ist. Allein seit Anfang diesen Jahres hat sich die Zahl deutschsprachiger Weblogs vervielfacht. Damit werden Weblogs, die teilweise mehrere tausend Leser haben, mehr und mehr zu einem Ort, an dem öffentliche Meinung entsteht. Zudem greifen klassische Medien immer häufiger das Thema Weblog selbst auf - noch hat schon allein die Tatsache, dass z.B. ein bekannter Manager regelmäßig seine Ansichten zu aktuellen Entwicklungen in einem Weblog mitteilt, Nachrichtenwert. Entwickelt sich im Lauf der Zeit ein bestimmter Blog zu einer glaubwürdigen und attraktiven Informationsquelle, so ist davon auszugehen, dass Tageszeitungen oder Rundfunksender exklusive Informationen - wie etwa die Ansichten eines Managers oder Informationen zu einer Krise - wiederum in ihrer Berichterstattung aufgreifen würden.
Für die meisten Organisationen dürften Weblogs in nächster Zeit jedoch vor allem eine Rolle im Rahmen ihres Issues Management spielen. Es ist zu erwarten, dass bestimmte Themen, beispielsweise verbraucherbezogene, in Weblogs früher kommuniziert werden als in den klassischen Medien. Insofern wäre es aus Kommunikationssicht riskant, Blogs zu ignorieren.
Ob Organisationen künftig selbst in breiterem Stil Blogs in ihre Kommunikationsstrategie integrieren, ist aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen. Derzeit nutzen nur wenige Unternehmen die Möglichkeiten des Bloggings: Geschätzte 20.000 Business-Weblogs gibt es im gesamten Web derzeit (Kharif 2004), in Deutschland dürfte die Zahl gerade einmal im zweistelligen Bereich liegen. Doch in bestimmten Situationen erscheinen PR-Blogs als sehr sinnvolles Kommunikationsinstrument. So zum Beispiel für kleinere Unternehmen mit geringen PR-Ressourcen: Sie können unter Umständen durch Weblogs ihre Kompetenz verdeutlichen, kostenintensive Kundenzeitschriften oder Newsletter einsparen und eine direkte Kommunikation mit ihren Kunden pflegen. Auch für Unternehmen, die nicht regelmäßig mediengerechte Nachrichten kommunizieren können, wie zum Beispiel Mittelständler mit einer schmalen Produktpalette, könnten in diesem Sinne Weblogs einsetzen und dadurch unabhängig von den klassischen Medien eine intensive Kommunikation mit Teilöffentlichkeiten wie Kunden oder Lieferanten aufbauen.
Ein weiterer großer Vorteil von Weblogs ist die Möglichkeit, sie innerhalb kürzester Zeit zu veröffentlichen. Gerade dieser Faktor spielt in vielen Kommunikations-Situationen eine besondere Rolle. Insofern ist davon auszugehen, dass Weblogs künftig zum Beispiel in der Krisenkommunikation einen festen Platz erhalten. Ohne sich weiter um Fragen der technischen Aufbereitung kümmern zu müssen, können PR-Fachleute die Öffentlichkeit in solchen Fällen quasi im Minutentakt informieren.
Zu Gute kommen können Weblogs als Kommunikationsinstrument auch Nonprofit-Organisationen: Zusammen mit der persönlichen - manchmal emotionalen - Note, die für Weblogs typisch ist, können sie Transparenz herstellen, indem sie zum Beispiel direkt und vor Ort über ihre Projekte berichten. Gerade authentische Informationen durch NGOs unterstützen nicht nur deren Kommunikation, sondern können in Extremsituationen wie Naturkatastrophen oder Kriegen für die gesamte Öffentlichkeit zur einzigen verlässlichen Informationsquelle werden.
Aspekte wie diese sind unter deutschsprachigen PR-Praktikern und -Wissenschaftlern bisher kaum diskutiert. Erste Ansätze einer solchen Diskussion finden sich vorwiegend in der Blogosphere - dort allerdings treffen sich wenige Experten, die vom Blogging bereits überzeugt sind. Insofern kann dieser Artikel vielleicht ein wenig dazu beitragen, die Bedeutung des Bloggings für die PR in breiterem Rahmen zu diskutieren. LiteraturAlbrecht, Jürgen (2002): What's a Weblog, a Blogger or a Logger? Online-Dokument vom 12.05.2002, http://www.storyal.de/story2002/weblogstory.htm
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Hinweis: Alle zitierten Online-Dokumente wurden am 17.08.2004 abgerufen.
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Zum AutorProf. Dr. Thomas Pleil lehrt an der Fachhochschule Darmstadt im Studiengang Online-Journalismus Public Relations. Seine Schwerpunkte sind Online-PR, Nonprofit-PR und PR für neue Technologien. Pleil hat in Salzburg zu PR-Forschung promoviert und in Agenturen, als freier Berater sowie als Leiter der PR der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gearbeitet.
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